User-first Publishing – Anregungen zur Gestaltung von E-Magazinen

„User-first Publishing“ ist die Philosphie, die hinter dem Relaunch der Website von Newsweek steht. Mitte Mai stellte Newsweek die Beta-Version seiner relaunchten Website online. In einem längeren Interview mit dem Nieman Journalism Lab erklärte Baba Shetty, CEO der Newsweek Daily Beast Company die Philosophie hinter dem neuen Auftritt.

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Sein Ansatz ist, dass für viele traditionelle Online-Nachrichten-Anbieter die Maximierung von Pageviews das oberste Ziel sei und man daher z.B. bei längeren Artikeln bis zu sieben Klicks und Reloads benötige, um den Artikel ganz zu lesen. Das störe das Leseerlebnis. Außerdem lenkten viele Anzeigen vom Inhalt ab.

Shetty dagegen möchte auch den Online-Nutzern das gute Gefühl geben, das beim Lesen eines Magazins entsteht. Dazu gehört das Gefühl eines redaktionellen Zusammenhangs. Newsweek erscheint einmal wöchentlich mittwochs – nach der Einstellung der Printausgabe nur noch digital -, trifft Entscheidungen über die wichtigsten Ereignisse der Woche und gibt diesen quasi einen Rahmen.

Die Titelseite vermittelt das Gefühl redaktioneller Priorität, das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe zeigt den Zusammenhang auf. Newsweek wollte eine Innovation schaffen. Neben der redaktionellen Gestaltung und Glaubwürdigkeit von Newsweek, sollte eine kreative Nutzererfahrung um den Inhalt herum geschaffen werden.

Die Gestaltung

Aus dem Interview lassen sich folgende Merkmale zusammenfassen, die zum Lese-Erlebnis beitragen sollen:

1.    Die Titelseite
Es gibt eine interaktive, multimediale Titelseite, die die Leser aufgrund ihrer Bekanntheit und Wertigkeit anziehen soll. Das Design ist klar, übersichtlich und sieht einfach schön aus. Die weiteren Artikel auf der Seite sind nicht chronologisch sondern nach Wichtigkeit geordnet.Newsweek: How Gitmo Imprisoned Obama - Newsweek and The Daily Beast

2.    Das Inhaltsverzeichnis
Das Inhaltsverzeichnis ist zu jedem Zeitpunkt der Nutzung sichtbar zugänglich und soll den Eindruck der Vollständigkeit und des Zusammenhangs vermitteln. Sobald man die Maus über den Bildschirm bewegt, erscheint das Inhaltsverzeichnis und vermittelt das Gefühl des idealen Konzepts eines Magazins und der vollständigen Kontrolle über den Konsum der Inhalte.

3.    Anpassung
Das Format berücksichtigt alle gängigen Medien und sieht auch auf einem Smartphone oder Tablet gut aus. Es passt sich jeder Bildschirmgröße an. Es sind keine Downloads notwendig, die Inhalte können leicht geteilt werden. Es gibt zur Zeit zwar auch eine Newsweek-App, doch ist die Nutzung von Apps mit mehr Aufwand verbunden. Wie lange die App parallel laufen wird, ist nicht sicher.

4.    Interaktivität
Anstatt die Kommentarfunktion ans Seitenende zu verbannen, gibt es ein Set von Funktionen am linken Seitenrand, die sich mit dem Artikel mitbewegen. Das soll die Idee vermitteln, dass die Kommentiermöglichkeit während des Lesens jederzeit verfügbar ist, nicht erst am Ende eines Artikels. Hier sind weitere Innovationen geplant.

5.    Leichte Lesbarkeit
Die 21-Punkt Schrift ist großzügig und um einen Artikel zu lesen ist kein Klicken notwendig. Dynamische Bilder schieben sich von rechts in den Text, strukturieren ihn, lenken aber nicht ab. Videos und Infografiken sind weitere journalistische Hilfsmittel für lange Texte.

Das Geschäftsmodell

In naher Zukunft wird Newsweek eine Paywall einrichten. Die Artikel sollen für jeden zunächst völlig frei zugänglich sein, aber nur Abonnenten werden in der Lage sein, mehr als eine bestimmte Anzahl von Artikeln zu lesen.

Ein weiterer Schritt sind Anzeigen. Aber auch hier soll gelten, dass das Erleben des Nutzers im Vordergrund stehen soll. Newsweek zielt auf ein Sponsoring-Modell: es soll wenige, große, schön gestaltete Anzeigen geben, zwei auf der Homepage und je eine pro Artikel.

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Eine Antwort zu “User-first Publishing – Anregungen zur Gestaltung von E-Magazinen

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