Befreiung der Mitarbeiter – oder das Ende der E-Mail

In der Handelsblatt-Ausgabe vom Montag, 4.2.2013 findet sich ein Artikel von Joachim Hofer zu einem herausfordernden Projekt beim IT-Konzern Atos: Ein Jahr hat Projektleiter Robert Shaw Zeit, um 68.000 Mitarbeiter davon zu überzeugen, ohne E-Mails auszukommen. Statt dessen sollen die Beschäftigten auf einer Plattform namens Blue Kiwi ihre Mitteilungen an ihr Team eintragen. Blue Kiwi ist eine Art internes Facebook für Unternehmen. Dort lassen sich Experten suchen, Kalender und gemeinsame Dokumente führen, Aufgaben einstellen u.ä.

Gründe für die Abschaffung der E-Mail
Das Projektteam zur Abschaffung der E-Mail nutzt diese Plattform schon lange, insgesamt 6.000 Mitarbeiter kommen bereits ohne E-Mail aus. Grund für diesen radikalen Schritt ist, dass nach internen Erhebungen 40% der Mitarbeiter jeden Tag zwischen zwei bis drei Stunden E-Mails bearbeiten, weitere 30% sogar mehr als drei Stunden. Besonders gefürchtet ist der Ping-Pong-Effekt, wenn mehrere Mitarbeiter eingebunden sind und Verwirrung durch sich überschneidende E-Mails entsteht.

Vorteile von Sozialer Technologie
Wunderbar wird dieser nervenaufreibende und zeitraubende Ping-Pong Effekt in einem 2 Min. Erklärvideo von Kevin D. Jones dargestellt, das auch gleich zeigt, wie die Nutzung von Plattformen wie Blue Kiwi funktioniert und Zeit spart. Jeder Mitarbeiter kann sehen, was andere schon zu einem Thema geschrieben haben, alle Dokumente liegen an einem Ort, sind leicht zu finden und die Zeitersparnis und Einfachheit macht alle zufriedener.

130207_das_ende_der_e-mail-scaled1000

Stolperfallen bei der Einführung
Trotzdem gibt es noch wenige Nachahmer. Nach einer Studie der Analysten von Gartner werden 50 Prozent der Konzerne firmeninterne Facebook-ähnliche Systeme bis 2016 einführen und bei 30 Prozent wird es dort so wichtig wie heute Telefon und E-Mail. Sie gehen aber davon aus, dass über 80 Prozent der Projekte bis dahin nicht den erhofften positiven Effekt erbringen werden. Der Grund dafür liege daran, dass die traditionellen Rollout-Verfahren, die die Unternehmen von ERP, CRM usw. gewohnt seien, in diesem Fall nicht funktionieren würden. Die Angestellten müssten von sich aus aktiv statt nur trainiert werden. Außerdem komme es auf die Führungsqualität des Managements an und auf eine ausgearbeitete  Strategie für den Einsatz von Social Technology.

Aus diesem Grund sieht Robert Shaw seine größte Aufgabe darin, die psychologischen Barrieren zu beseitigen. Dazu telefoniere er oder gehe persönlich in die Büros der Kollegen. Nur E-Mails schreibe er natürlich nicht mehr.

Advertisements

2 Antworten zu “Befreiung der Mitarbeiter – oder das Ende der E-Mail

  1. Pingback: Das Slow Media Institut – Medienkompetenz in digitalen Zeiten | ICOM·

  2. Pingback: Slow Media Institut » Interview zu IDA und digitalem Arbeitsschutz·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s