Rap Genius und die Kontextualisierung des Internets

In München tagte letzte Woche die Digital Life Design Konferenz (DLD) des Burda Verlags. Dazu titelte die Süddeutsche Zeitung „Schon wieder macht sich ein Häuflein gelangweilter Studenten daran, das Internet mit ihrer Hobbyseite ein für allemal zu verändern – die Hip-Hop-Analysen der Seite Rap Genius zeigen, wie man das Netz dazu bringt, Kontexte zu schaffen.

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Quelle: http://rapgenius.com

Andrian Kreye beschreibt die drei Gründer der Website Rap Genius als gut aussehende, ex-Yale-Studenten. Der Grund für ihren selbstbewussten Auftritt liege daran, dass ihre Präsenz von ihrem Investor Ben Horowitz moderiert wurde. Ben Horowitz investierte gemeinsam mit Marc Andreesen früh in Firmen wie Twitter, Facebook, Skype, die ganze Industrien veränderten. Ihrem Engagement wird daher große Beachtung geschenkt. Diese Beachtung erhält nun auch Rap Genius.

Auf dieser Website finden sich Songtexte, v.a. Hip-Hop-Texte, die mit Hilfe einer Kommentarfunktion mit Interpretationen und Querverweisen versehen werden können. Den einzigen Künstler, den ich auf der Homepage vom Namen kannte, war Justin Timberlake. Jede Zeile seines Liedtextes von „Suit and Tie“ ist mit Kommentaren und Bildern versehen. Ich erfahren, auf wen sich welche Liedzeile bezieht, welche Wortspiele hinter den Texten stehen, welche Vorbilder seinen Kleidungsstil prägen, etc.

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http://rapgenius.com/Justin-timberlake-suit-and-tie-lyrics

In Rap Genius findet sich inzwischen auch Literatur
Auf Rap Genius finden sich inzwischen auch literarische Texte, z.B. von Karl Marx, Kapitel 3, „Socialist and Communist“, Märchen der Gebrüder Grimm wie „Allerleirauh“ oder „Cinderella“ (hier steht bisher aber nur weißer Text, Sie können hier die ersten sein, die Kommentare abgeben). Auch die Bibel wird kommentiert, z.B. als „Matthew 26 Lyrics“.
Eine Übersicht über vorhandene Texte habe ich allerdings nicht gefunden. Nur über die Suchfunktion lässt sich feststellen, was an Literatur vorhanden ist.

Rap Genius als Basismodell für die Kontextualisierung
Auch wenn Rap Genius optisch eher an ein Online-Forum aus den Anfangsjahren erinnert, nährt es sich in den Worten von Andrian Kreye „der neuen Schallmauer des Internets an: dem Kontext“. Da das Internet der Sprache der Mathematik folgt und auf den Werten „0“ und „1“ basiert, ist der Kontext im Internet noch eine Simulation. Die Tausenden Rap-Genius-Nutzer erstellen Bezüge zu den lyrischen Abstraktionen und Codes in den Texten für symbolische „Rap-IQ“-Punkte. Sie erstellen so ein Basismodell für die Kontextualisierung des Internets und schaffen das, was Google nicht finden kann. Denn Kontextualisierung bedeutet, dass vielschichtige Wörter oder Sätze nur aus ihrem geeigneten sprachlichen Kontext heraus zu verstehen sind. Es geht also darum, die richtigen Bezüge herzustellen.

Die Folgen dieser Entwicklung beschreibt Andrian Kreye so „Suchfunktionen können sich weiter der menschlichen Sprache annähern. Die Lernfähigkeit künstlicher Intelligenz steigt. Die Zielgenauigkeit von Werbe- und Verkaufsprogrammen wird präziser. Leistung- und Produktivität werden gesteigert. Oder um es im Jargon des Silicone Valley zu sagen: „context is king“. Dann muss er noch automatisiert werden.“

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