Der Einfluss von Social Media auf die Wahl des US-Präsidenten 2012

Am 6. November ist es soweit: in den USA wird gewählt. Die Sozialen Medien trugen ihren Teil dazu bei, dass diese Wahl zur bisher teuersten in der amerikanischen Geschichte zählt. Die Ausgaben für Online-Werbung stiegen von US $ 22 Mill. auf US $ 159 Mill. Angesichts dieser Beträge stellt sich die Frage, ob der Fokus auf Social Media es wert ist?

Barackundmitt

Sicher ist, dass die Kandidaten durch die Nutzung der Sozialen Medien die Möglichkeit hatten, insbesondere mit den jüngeren Zielgruppen Kontakt aufzunehmen, die sie durch TV-Nachrichten- und Radiospots kaum noch erreichen können. Das Durchschnittsalter der Social Media-Nutzer liegt bei 18-34 Jahren – die Kandidaten konnten also Millionen von jungen Wählern einfach erreichen. Hinzu kommt, dass Tweets und Posts auf Facebook mit Freunden geteilt und oft noch mit einem persönlichen Kommentar versehen werden. Effektiver können die Kandidaten kaum für sich werben.

In einem Whitepaper mit dem Titel „160 Amazing Social Media Statistics from the 2012 Presidential Race” analysiert Awareness Inc, ein führender Anbieter für Social Marketing Software, das Social Media Engagement der Kandidaten.

Engagement in Social Media zahlt sich aus

  1. Während Barack Obama täglich im Durschnitt 14,4 Tweets absetzt und 20,8 Mill. Follower verzeichnet, werden bei Mitt Romney 1,7 Tweets pro Tag vermerkt und 1,3 Mill. Follower. Dafür postete Romney 422 mal auf Facebook (seine Engagement-Rate bei Facebook ist damit 18 mal höher als bei Twitter) und besitzt 9,1 Mill. Facebook-Fans. Obama hatte dagegen nur 179 Posts, die Zahl seiner Fans beträgt trotzdem 30,1 Mill. (Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum von Mai-Oktober 2012.)
  2. 51% der Social Media-Nutzer wollen über diese Kanäle mehr über die Kandidaten erfahren.
  3. 6 von 10 Social Media-Nutzern erwarten von den Kandidaten eine Präsenz in den Sozialen Medien.
  4. Nach einer Studie von SocialVibes sahen sich 94% der Nutzer im wahlberechtigten Alter eine politische Botschaft ganz an und 39% leiteten diese Nachricht an ihre Freunde weiter (durchschnittlich an 130 Freunde).

Dass der Wahlkampf ein Echo in den Sozialen Medien fand, zeigt auch das erste TV-Duell am 3. Oktober 2012. Es war mit 10,3 Mill. Tweets während der 90 Minuten (d.h. 114 Tweets/Minute) das bis dahin am meisten getwitterte politische Ereignis in der US-amerikanischen Geschichte. (Mehr Tweets gab es nur für die Verleihung der Grammy Awards, MTV Video Music Awards und zum Super Bowl). Die Zahl erhöhte sich beim 2. TV-Duell sogar noch auf 12 Mill. Kommentare auf Facebook und Twitter.

Social Media Controlling zeigt, was die Wähler bewegt

Interessant für die Kandidaten ist natürlich insbesondere, die Stimmung und die Themen in den Sozialen Medien verfolgen und aufgreifen zu können.

Für das erste TV-Duell analysierte Awareness Inc. bspw., dass sich 48% der Kommentare um das Thema Wirtschaft drehten, 30% um die Gesundheitsreform und 20% beschäftigten sich mit der Rolle des Staates. In der zweiten Debatte erreichten die Kommentare ihren Höhepunkt während der Frage zur Immigrationsreform mit mehr als 109.560 Tweets/Minute.

Weitere stark diskutierte Themen in den Sozialen Medien waren aber nicht nur wirtschaftliche Themen. Die drei Themen, die im Netz das stärkste Echo fanden waren:

  • „Save Big Bird“, der Riesenvogel aus der Sesamstraße, weil Romney meinte, dass er Subventionen für den Fernsehsender, auf dem die Sesamstraße läuft, streichen werde.
  • „Ein Ordner voller Frauen“, nachdem Romney zur Frage nach der Gleichstellung von Frauen darstellte, dass er als Gouverneur von Massachussets Frauen in sein Kabinett aufnehmen wollte – und ihm ein Ordner voll Frauen gereicht worden sei.
  • „Pferde und Bajonette“. Romney erklärte im dritten TV-Duell, dass es nicht angehen könne, dass die US-Marine kleiner sei als 1917. Obama erwiderte, dass es auch weniger Pferde und Bajonetten gebe als früher. Das Militär habe sich verändert, es gebe jetzt auch Flugzeuge. Daraufhin gab es mehr als 100.000 Tweets zum Hashtag:#horsesandbayonets.

Was heißt das für unsere Bundestagswahl 2013?

Stand heute besitzt Angela Merkel bei Facebook aktuell 204.395 Fans. Am 24.Oktober bedankte sie sich in einem kurzen Video persönlich bei ihren 200.000 Fans dafür. Peer Steinbrück hat dagegen nur 14.037 Facebook-Fans. Einen Twitter-Account besitzen beide nicht. Vielleicht ändert sich das noch bis zur Wahl?

Wie sich das Social Media Engagement der beiden amerikanischen Kandidaten auswirken wird, werden wir dafür morgen erfahren. Möglicherweise beeinflusst das auch noch die Nutzung von Social Media für die nächste Bundestagswahl?

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