Im Bann der Echtzeit II

In einem weiteren Essay zur Serie „Im Bann der Echtzeit“ beleuchtet der Autor Ulrich Baron im Deutschlandfunk, wie die neue Medienwelt die totale Gegenwart von Ereignissen, Themen und Personen herstellt. „Die totale Gegenwart in der globalen Medienwelt“ führe dazu, dass herkömmliche Nachrichtenmedien ihre Exklusivität verlierenDieser Essay wirft die Frage auf, was guten Journalismus auszeichnet und welche Rolle Journalisten heute noch einnehmen. Es wird wohl darauf ankommen, wie die Zusammenarbeit von Professionellen und Amateuren (Stichwort: „user generated content“) gestaltet werden kann? Und welche Anregungen lassen sich für die Unternehmenskommunikation finden?

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(Bildnachweis: cepolina.com)

Baron beschreibt, wie die zunehmende Vernetzung die Grenzen zwischen traditionellen Nachrichtenmedien und der privaten Kommunikation durchlässig gemacht hat. Alles, was geschieht, scheine frei und in Echtzeit verfügbar zu sein. Fernsehteams und Korrespondenten vor Ort würden durch Handy-Kameras ersetzt. Außerdem verfüge das Internet über unbegrenzten Raum und könne alles archivieren – im Vergleich zu den traditionellen Medien mit ihren Programmschemas und Sendeplätzen.

Vorteil und Aufgabe der klassischen Medien
Auch wenn Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen Ihren technischen und zeitlichen Vorsprung gegenüber dem Internet verloren haben, bleibt ihnen der Vorsprung an analytischer Kompetenz – in der Analyse, Strukturierung, Bewertung und Vermittlung von Inhalten. Nach Baron darf diese Vermittlung „Leser, Hörer und Zuschauer aber nicht – wie es das Quotendiktat fordert – rund um die Uhr mit Wörtern, Tönen und Bildern überfluten und soll sich auch nicht emotional anbiedern. Sie muss ihnen vielmehr Gelegenheiten bieten, auszuwählen, was sie wirklich interessiert.“

Baron fordert für jedes seriöse Medium eine qualifizierte Struktur, die eine gezielte Auswahl ermöglicht. Das Internet sei hier seiner eigenen Struktur und Funktionsweise unterworfen, da im Netz jeder Klick gezählt werde und sich der Blickfänger besser bezahlt mache, als der aufwendig recherchierte und komplizierte Hintergrundbericht, der unter dem Überangebot an Informationen unterzugehen droht. Zur kompetenten Mediennutzung gehöre vor allem die Freiheit und Möglichkeit der Auswahl. „Sonst droht sich das Denken im allgemeinen Vermischten einer totalen Gegenwart zu verlieren – und damit in jener selbst verschuldeten Unmündigkeit, zu dessen Überwindung das Projekt der Aufklärung einst ausgerufen worden war.“

Bedeutung für die Unternehmenskommunikation
Interessante Aspekte des Essays für die Unternehmenskommunikation sind:

1. Eine qualifizierte Struktur und funktionierende Suchmaschinen sind auch für eine gute Unternehmenskommunikation das A und O, damit die Mitarbeiter relevante Inhalte schnell und sicher finden. Ohne Spielregeln und Schiedsrichter geht es nicht – Stichwort u.a. „Intranet Governance“. Es sollte ein „roter Faden“ in der Strukturierung , Klassifikation und Aufbereitung der Informationen vorhanden sein.

2. So, wie sich die Grenze zwischen traditionellen Nachrichtenmedien und der privaten Kommunikation auflösen und Journalisten neue Aufgaben übernehmen, so verändert sich auch die Rolle der Unternehmenskommunikation. Immer mehr Menschen wirken an der öffentlichen Diskussion mit. Die neue Aufgabe von Journalisten wird sein, hier als eine Art „Projekt-/Bauleiter“ zu wirken und für die entsprechende Einbindung zu sorgen.
Kommunikationsmanager übernehmen gleichermaßen immer mehr die Rolle eines Moderators. Statt Botschaften von der Vorstands- auf die Arbeitsebene zu kommunizieren, müssen sie Themen finden, pflegen, für das richtige Medium sorgen und „Unkraut“ jäten.

3. Leser gewinnt auf Dauer nur, wer glaubwürdig und besonders ist. Es ist die Qualität, die Journalismus bzw. redaktionelle Beiträge von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

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