Zeitenwende: 4. Deutscher Medienkongress 2012 in Frankfurt #dmk12

In der vergangenen Woche traf sich die Werbe- und Medienwirtschaft Deutschlands in der Alten Oper Frankfurt, um über die wichtigsten Themen der Branche zu diskutierten. Thomas Geiger, Geschäftsführer der ICOM, war vor Ort und schildert im Interview seine Eindrücke.

Medienkongress

Bildnachweis: “Impressionen Kongressteilnehmer” von HolgerRings, Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Matthias Wagner: Das Motto des Medienkongresses lautete „Zeitenwende“ und es wurde die Frage gestellt: „Was kommt nach der digitalen Revolution?“ Konnte man in der letzten Woche in Frankfurt tatsächlich Antworten auf diese Frage finden?

Thomas Geiger: Das Motto des Medienkongresses macht immerhin deutlich, dass die Zeitenwende nicht mehr bestritten wird. Dennoch wurden viele Diskussionen geführt, in denen es um Print versus Digital versus TV ging, und da zeigt sich dann doch sehr deutlich, dass die klassische Medienwelt mit dieser Zeitenwende noch sehr hadert. Alle finden die digitale Revolution ganz großartig, aber in der Nutzung der neuen Möglichkeiten ist man ohne nachhaltige Konzepte und setzt oft auf Altbewährtes.

Wir dürfen es nicht dabei belassen, die Zeitenwende zu diagnostizieren, sondern müssen die neuen Möglichkeiten nutzen und die Zeitenwende gestalten. Dieser Aspekt kam zu kurz und die Diskussionen auf den Podien finden immer wieder innerhalb der jeweiligen Mediengattung statt. Es gibt ein Podium für Media-Agenturen, eines für Werbeagenturen oder für klassische Zeitungsverlage usw. Es kann nicht sein, dass wir weiter die einzelnen Medien-Kanäle nebeneinanderstellen. Das Gebot der Stunde ist, integrierte, konvergente Konzepte zu entwickeln. Dass dies möglich ist und dass dies Erfolg hat, haben Unternehmen wie Henkel, Volkswagen und Ferrero auf dem Kongress sehr eindrucksvoll präsentiert. Die machen sich nicht mehr Gedanken darüber, ob sie jetzt eine Kundenzeitschrift machen, eine Mobile-App oder ein Online-Portal. Ein neues Thema wird grundsätzlich über alle Medien gespielt. Es ist eben nicht mehr möglich, die Mediengattungen streng zu trennen, mehr denn je sind es crossmediale Konzepte, die zum Erfolg führen.

 

Matthias Wagner: Lässt sich nach all den Gesprächen und Diskussionen ein Trend für 2012 benennen? 

Thomas Geiger: Sicherlich wurde viel über das Thema „Mobile“ gesprochen, weil jeder Content mittlerweile eben auch über mobile Endgeräte abgerufen werden kann. Aber es ist ein ausgerufener Trend, für den ich momentan nur sehr wenige schlüssige Antworten ausmache. Viel spannender finde ich die Antworten rund um das Thema „Bewegtbild“. Und dass Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling als Medienmann des Jahres geehrt wurde, zeigt für mich sehr deutlich, wo ein Trend für 2012 auszumachen ist.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war „Online“ das große Thema und es wurden Onlineportale aufgebaut, die am Ende Bleiwüsten waren. Da wurde nichts anderes gemacht, als das, was bisher auf Papier gedruckt war, online abzubilden. Hier wird jetzt tatsächlich eine neue Ära eingeleitet, in dem die ganze Bandbreite der gestalterischen Möglichkeiten von Onlineveröffentlichungen ausgenutzt wird – vom Text über das Video bis hin zum Dialog mit dem Leser. Und dabei ist das bewegte Bild von zentraler Bedeutung, weil es wie kein anderes Medium in der Lage ist, Emotionen zu transportieren.

Matthias Wagner: Wir wären nicht ICOM, wenn wir neue Trends nicht auch unter dem Gesichtspunkt der Wirksamkeit und Effizienz-Bewertung betrachten würden. War das ein Thema beim Medienkongress?

Thomas Geiger: Für viele Kollegen ist die Reichweite nach wie vor die einzige Währung für Medialeistung. Wir müssen aber neue Wirkungsfaktoren finden, denn eine Seite mit 100.000 Likes ist nicht zwangsläufig mehr wert als eine Seite mit nur 10.000 Likes. Vielleicht ist auf der Seite mit den 10.000 Likes die Qualität der Diskussion sehr viel höher, mit wichtigen Impulsen für das Marketing des Unternehmens oder den Bereich „Forschung & Entwicklung“. Aber was ist die richtige Währung für Medialeistung in Ergänzung zur Reichweite? Diese Diskussion konnte gar nicht stattfinden, weil sie innerhalb der Mediengattung immer nur so geführt wurde, dass am Ende jeder behauptet, bei mir bist du am besten aufgehoben. Auch hier gilt es einmal mehr das Denken in einzelnen Mediensparten aufzugeben um crossmediale Antworten zu finden.

Matthias Wagner: Vielen Dank, Herr Geiger, dass Sie Ihre Eindrücke vom Medienkongress mit uns geteilt haben.

 

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