Outernet – wenn das Internet auf die Straße springt

Nur noch wenige Tage bis zum Start-up-Weekend Berlin 2011. Nicht nur auf Facebook wird dem Wochenende 26. bis 28. August entgegengefiebert. Christian Simon organisiert und managt das Event und möchte den positiven Trend der Unternehmensgründungen in Deutschland weiter stärken. Viele kleine Unternehmungen entwickeln interessante und innovative Produkte und haben gute Wachstumschancen. „Your Solution in Outernet” ist das Titelthema des startupweekend berlin 2011. Es greift ein Thema auf, das dank Smartphone und Tablet-PC immer mehr Teil unseres Alltags wird. Im Interview erklärt er die neue Trendbewegung.

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ICOM: Outernet ist ein noch sehr junger Begriff. Woher kommt er und was bezeichnet er?

Simon: Ja, ganz genau. Der Begriff Outernet befindet sich in der Tat noch in seiner Knospe, obwohl sich der Konsument und seine Marktwirtschaft schon längst inmitten einer Trendblüte befinden.

Die Herkunft des Begriffs bzw. der Ursprung dieser Trendbewegung leitet sich von der Bezeichnung selbst ab. Denn das Internet, welches über den stationären PC erreichbar ist, springt nun über auf die Straßen der Welt, also in die sogenannte erweiterte Realität. Ermöglicht wird das durch mobile Kommunikationslösungen. Dadurch dass unsere Wissens- und Interaktionsgesellschaft mit ihren Smartphones über das Mobile Web jederzeit und überall erreichbar ist – d.h. Always-On, Always-Connected -, verschiebt sich die eigentliche Wahrnehmung. Beziehungsweise die Realität verschmilzt mit unseren virtuellen Interaktionen und den damit verbundenen Daten. Das hat zur Folge, dass das Internet zum Outernet wird. Social Media Applikationen, die exemplarisch location-based Services beinhalten, machen es vor.

Die Koppelung an Ort, Zeit und bestenfalls an die Situation des Users lässt die Relevanz von Informationen in Echtzeit deutlich steigen. Darüberhinaus wird die persönliche Umwelt personalisierbar. Dies stellt wiederum die Anforderung an maßgeschneiderte Informationen – aber auch selektiver und optionaler Interaktionen.

ICOM: Warum ist Outernet auch oder vielleicht ganz besonders ein Kommunikationsthema?

Simon: Grundsätzlich ist es doch so: Dort wo sich ein neuer Markt öffnet, bieten sich immer neue Chancen. In diesem Kontext erweitert das Outernet nicht nur die Realität sondern auch das damit verbundene Positionierungspotential. Dabei sprechen wir von kreativen und spannenden Lösungs- bzw. Erlebniskonzepten, sowohl im Rahmen der Produktentwicklung als auch im Rahmen der Kommunikationspolitik. Bleiben wir also beim Kommunikationsthema.

Das Outernet ist somit ganz besonders ein gesellschafts- und wirtschafts-kommunikatives Thema, da unter Berücksichtigung der genannten An-forderungen zukünftig noch individueller und sensibler auf Kundenbedürfnisse eingegangen werden muss. Schließlich werden Emotionen und Verhalten der User mit gegebener Transparenz einschätzbarer. Rein theoretisch wird mit dem richtigen Trigger, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, bei entsprechender Stimmung ein echter Mehrwert geschaffen. Nennen wir es doch einfach Mobile Communication. Mit der Explosion der Kommunikationskanäle werden eine individualisierte und immer komplexere Kampagnen-Architektur, sowie die Bereitschaft zu „Test & Learn“ erforderlich. Diese Maßnahmen müssten im selben Zug auf den verschiedenen Kanälen gesteuert und nonstop kontrolliert werden.

ICOM: Gibt es schon Beispiele für wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmungen, die mit ihrer Geschäftsidee auf dem Outernet-Gedanken aufbauen? Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

Simon: Um im Vorfeld die Frage zu beantworten, wohin die Reise gehen kann, denke ich, dass es das Marketing Management oder Kommunikationsdesign im klassischen Sinne nicht mehr geben wird. Die Studiengänge werden für die nächste Generation viel interdisziplinärer gestrickt sein. Flexible Denkmuster im Management und der Mut zum Change mit der Organisationskultur sollten sich rechtzeitig ent-sprechend anpassen und situativ mitwachsen. Da sehe ich aber noch die Heraus-forderung wie im Bereich Social Media. Obwohl es eine ganze Weile in unserem Private Life stark integriert ist und es uns täglich begleitet, verpassen viele Unter-nehmen den Anschluss im Business Life. Man sollte sich lediglich über die Chancen und Risiken im Klaren sein.

Die Fortentwicklung der erweiterten Realität im technologischen Sinn ist unaufhalt-sam, davon ist die Trendforschung überzeugt. Schon jetzt ermöglicht das Outernet den „Spielraum“ für erweiterte, neue Geschäftsmodelle. Umgekehrt können aber auch bestehende Geschäftsmodelle bedroht werden. Die größten Heraus-forderungen werden sein, rechtzeitig das Potential und die Gefahren neuer Trends innerhalb der vielseitigen Outernet-Themen zu bewerten, das eigene Geschäfts-modell hinterfragen zu können und ein nachhaltiges Innovation-Management durchzuführen.

Etablierte Outernet-Unternehmungen sind Foursquare, Facebook, Google und Amazon, um einige große Vorreiter zu nennen. Beispielsweise kann der User mit der iPhone-App „Amazon mobile“ Produkte in Geschäften fotografieren, bekommt in wenigen Sekunden den günstigsten Anbieter angezeigt und kann das Produkt anschließend mit einem Klick kaufen.

ICOM: Die Idee des Startup-Weekend zeigt internationale Erfolge. Welche Chancen bieten sich für junge Gründer durch eine solche Veranstaltung?

Simon: An einem intensiven Wochenende stehen potentielle Konzepte von 20 Ideengebern und dessen jeweils drei bis fünf teilnehmenden Spezialisten im Zentrum der Veranstaltung. Durch den direkten Kontakt zwischen jungem Unternehmergeist, Gründern und erfahrener Expertise aus Wirtschaft und Bildung entsteht nicht nur ein besonderes Know-How und Netzwerk, von dem alle Beteiligten nachhaltig profitieren. Primärziel ist es, alle qualifizierten Ideen innerhalb von 54 Stunden zu einem marktreifen Geschäftsmodell weiterzuentwickeln sowie zu präsentieren. Bei der Organisation und Durchführung des Gründerevents nutzen wir die wertvol-len Erfahrungen und fachlich starken Kompetenzen des Berliner KommunikationsFORUMs e.V. und der Humboldt Innovation GmbH, die uns auch die Location im Herzen von Berlin ermöglicht.

Das startupweekend berlin 2011 wird ganz im Zeichen der Unternehmensentwicklung unter dem Titelthema „Your Solution in Outernet“ veranstaltet. Dadurch dass die Trendbewegung noch in ihren Kinderschuhen steckt, wird das Titelthema breit angelegt sein. Bei uns sind mittlerweile sechs Bewerbungen eingegangen, darunter drei Ideen, obwohl das offizielle Wochenende erst Ende August stattfinden wird. Unter startupweekendberlin.com werdet ihr demnächst noch ausführlicher informiert werden.

ICOM: Können vielleicht auch umgekehrt etablierte Unternehmen von Startups lernen?

Simon: Ja, natürlich! Das können sie. Nicht nur weil Startups flexibler in Innovationsprozessen und mit Kommunikationsmaßnahmen sein können. Damit einhergehend besteht ein höherer Kreativitäts- und Gestaltungsgrad. Die Gründer sind selbstmotivierter und die Ideen völlig unverbraucht. Die hierarchischen Strukturen von jungen Unternehmen sind sehr flach, so wird ein engeres und somit wirksameres Teamworking mit den elementaren Kompetenzträgern gewährleistet.

Nichtsdesto trotz sehe ich hier auch eine Win-Win-Situation. Das liegt darin be-gründet, dass Startups absolut offen und lernwillig zugleich sind.

ICOM: Vielen Dank für das Interview, Christian Simon.

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