Verändern Soziale Medien Prozesse der Kommunikation?

Wenn wir neue Strategien für die Kommunikation via Soziale Medien entwickeln, so gilt es, sich über einige grundlegende Frage im Klaren zu werden. Ganz besonders über die Frage, ob Soziale Medien Kommunikationsprozesse verändern und wie sie verändert werden.

Die Vorstellung von Kommunikation war bisher stark geprägt vom Sender-Empfänger-Modell der Kommunikation. Viele Strategien und Konzepte basieren im Kern auf diesem Modell.

Shannon

Abb. nach Shannon, Claude/ Weaver, Warren: The mathematical theory of communication. Urbana 1949: University of Illinois Press.

Dabei hat das Modell seinen Ursprung keineswegs in der Soziologie oder Linguistik. Es ist ein naturwissenschaftliches Modell, das die Mathematiker und Informationstheoretiker Claude Elwood Shannon und Warren Weaver in den 1940er Jahre entwickelt haben. Das Modell diente dazu, die technischen Aspekte des Kommunizierens via Telefon zu veranschaulichen.

Tatsächlich aber ist Kommunikation weit mehr als ein Sender der Inhalte verschlüsselt und über einen geeigneten Kanal an einen Empfänger schickt, der nach der Entschlüsselung der Inhalte uneingeschränkt über diese verfügt. Dass dem nicht ist so ist, wird offensichtlich, wenn sich Kommunikationsmanager der internen Kommunikation beklagen, dass bestimmte Informationen der Mitarbeiterzeitschrift nicht wirklich bei der Zielgruppe ankommen. Es wird offensichtlich, wenn für viel Geld TV-Werbezeit gekauft wird, aber die Botschaften von den Zuschauern nicht in der intendierten Weise verstanden werden.

Der Ursprung des Wortes „Kommunikation“ ist im Lateinischen „communio“ zu suchen, dem Wort für Gemeinschaft. Das ist es, was Kommunikation ausmacht. Es ist eine Sozialhandlung, die Gemeinschaft entstehen lässt. Deshalb wird seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Soziologie und Linguistik Kommunikation häufig mit dem Konstitutionsmodell beschrieben: Kommunikation ist nicht zuerst Informationstransfer, sondern konstituiert Gemeinschaft.

Das Runddorf veranschaulicht sehr schön, was gemeint ist. Die Häuser sind so angelegt, dass alle direkten Zugang zur Dorfmitte haben. Hier treffen sich die Bewohner, informieren die anderen über Neuigkeiten, Gerüchte werden ausgetauscht und weiter erzählt. Informationen erfahren Modifikationen, in dem hinzugedichtet wird oder vermeintlich Unwichtiges ausgeklammert bleibt.

Luftbild des Runddorfs Schreyahn im Wendland auf Google Maps.

Es ist eben dieses Runddorf, das ganz ausgezeichnet das Phänomen „Social Media“ veranschaulicht. Die Technik rückt nun näher an das tatsächliche Wesen der Kommunikation. Die Social Media-Plattform ist der neue Marktplatz, die gemeinsame Mitte, auf der Inhalte abgelegt und abgerufen werden, sie können modifiziert und ergänzt, diskutiert und verworfen werden.

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Nun könnte man annehmen, dass es nur eine gemeinsame Mitte gibt, einen Platz, wo all dies stattfindet. Die verschiedenen Circles bei Google+ zeigen aber schon, dass es ganz unterschiedliche Zentren gibt, auf denen unterschiedliche Themen auf unterschiedliche Weise behandelt werden. Auch Social Graphen unterstreichen dies eindrucksvoll, die die Vernetzung von Teilnehmer eines Social Networks visualisieren.

Social_graph

Es ist eine spannende Entwicklung, die für viele Kommunikationsmanager eine Neuausrichtung bedeutet: Weg vom Redakteur, hin zum Community-Manager.

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