2. Deutscher Medienbeobachter-Kongress 2011

Am 15. März 2011 fand in Düsseldorf der zweite Deutsche Medienbeobachterkongress statt. Hier treffen und präsentieren sich zum einen professionelle Medienbeobachter, um über neue Entwicklungen zu informieren und zum anderen Kommunikations-Verantwortliche aus den Unternehmen. Kommunikationsverantwortliche kommen nicht nur, um sich zu informieren, sondern sie berichten auch von ihren praktischen Erfahrungen, wie in diesem Jahr zum Beispiel die Bayer AG und BASF.

Medienbeobachterkongress

In diesem Jahr stand die Branchenplattform ganz im Zeichen der Sozialen Medien – auch wenn es noch keine Twitter-Wall gab. Programmpunkte wie „Media Monitoring & Analyse in Echtzeit“ oder „Wie man mit Social Media Monitoring die wirklich spannenden Dinge entdeckt“ machen deutlich, worauf auch in Sachen „Medienbeobachtung“ der Fokus gerichtet ist.

Interessant war zu sehen, dass sich auch hier, wie in vielen anderen Bereichen, die Vertreter der klassischen und Sozialen Medien doch immer auch etwas skeptisch gegenüberstanden. So schmunzelte der eine oder andere via Twitter über eine Studie, bei der der Fragebogen mit einem Fax-Gerät an die Studienteilnehmer geschickt wurde.

Einige Spotlights auf den Deutschen Medienbeobachterkongress 2011

Die Keynote – Alexander Rossmann (Universität St. Gallen)

Alexander Rossmann skizzierte mit seiner Keynote den aktuellen Stellenwert der Sozialen Medien in der Unternehmenskommunikation. Er verwies dabei vor allem auf die Erfahrungen der Unternehmen, die sich im Rahmen der Initiative „Next Corporate Communication“ vernetzt haben. Dieser von der Universität St. Gallen initiierten Plattform haben sich bisher rund 100 Unternehmen angeschlossen. Sie diskutieren hier über Perspektiven von Social Media für Marketing, Vertrieb und Unternehmenskommunikation. Nach wie vor, so Rossmann, beobachten viele Unternehmen die Entwicklung eher skeptisch. Die Gründe dafür sind zum Beispiel die fehlende Medienkompetenz, der unklare ROI und vor allem, dass das Zuhören als Grundkompetenz in Unternehmen nur schwach ausgeprägt ist. Das Zuhören aber ist der Einstieg in das Thema „Social Media“ und die Medienbeobachtung somit das „Tor in die neue Welt“.

Meinungsführer im Social WebChristophe Folschette (Trendiction) und Franziska Roth (research tools)

Auch wenn Zuhören im Social Web wichtig ist, so ist es nicht immer einfach, unter den vielen Stimmen die wirklich Relevanten zu identifizieren. Um die Meinungsführer und Multiplikatoren von Themen ermitteln zu können, hat Trendiction mit dem Influrank eine Metrik entwickelt, die die Wichtigkeit eines Artikels misst. Es sind vier Faktoren, mit denen der Wirkungsgrad eines Artikels berechnet wird:

  • Wie sehr befasst sich der Artikel mit dem untersuchten Thema?
  • Wie häufig wird der Beitrag gelesen?
  • Wie sehr befassen sich die Leser mit dem Artikel (Kommentare, Verlinkung)?
  • Wie sind die Inhalte des Artikels aufbereitet?

Am Beispiel einer Studie zu Schokoladen-Herstellern machte Franziska Roth deutlich, wie der Influrank wichtige Anhaltspunkte für die Analyse der Social Media-Präsenz von Unternehmen liefern kann.

Menschlicher Faktor beim Monitoring – Stefanie Aßmann (Vico)

Während beim Kongress viel über automatisierte Prozesse gesprochen wurde, machte Stefanie Aßmann in ihrer Session deutlich, dass die Medienbeobachtungs-Automaten alleine nicht wirklich zum Erfolg führen. Das beginnt bereits bei so scheinbar einfachen Dingen, wie der Suchabfrage für ein Monitoring.

Während für ein Produkt wie Bionade der Suchbegriff evident ist, muss für den Sportartikelhersteller PUMA ein sehr viel komplexerer Suchausdruck gefunden werden, um zum Beispiel die neusten Zoo-Berichte auszuschließen.

Noch problematischer wird es beim Thema „Sentiment-Analyse“. Wird mit einem Beitrag positiv oder negativ über ein Produkt gesprochen? Zahlreiche Unternehmen bieten hier automatische Prozesse, die aber selbst bei ausgefeiltesten Algorithmen eine Treffer-Quote von höchstens 85 Prozent erreichen. Doch auch bei der Sentiment-Auswertung durch Lektoren werden keine 100 Prozent erreicht, denn trotz Codierbuch ist über die Wertung eines Artikel nicht immer eindeutig zu entscheiden.

Zusammenfassung

Der Medienbeobachterkongress schloss mit einer Podiumsdiskussion, die nochmals die wichtigsten Aspekte der Gespräche und Diskussionen des Kongresstages zusammenfasste. Einmal mehr wurde deutlich, dass die „Trial and Error“-Phase der vergangenen Monate in Sachen Social Media noch nicht abgeschlossen ist und dass nach wie vor eine Professionalisierung eingefordert wird. Dies bedeutet insbesondere, dass „Social Media“ in die Kommunikationsstrategie der Unternehmen zu integrieren ist.

Letztendlich bedeutet Social Media vor allem eine radikale Beschleunigung der Kommunikation. Besonders wenn es um Krisenkommunikation geht, ist diese Beschleunigung eine große Herausforderung für die Medienbeobachtung als Seismograf für kritische Themen.

Weitere Informationen sowie einen Link zur Goldmedia Medienbeobachterstudie 2011 finden Sie unter http://www.medienbeobachterkongress.de/index.php

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